Eine Woche mit gemischten Signalen an den Rohstoffmärkten. Laut Allnews, das sich auf eine am Freitag veröffentlichte Meldung von AWP/AFP stützt, ist Nickel auf den tiefsten Stand seit Dezember 2025 gefallen, der Goldpreis hat sich im Zickzack bewegt und Kakao hat leicht zugelegt. Drei Bewegungen mit ganz unterschiedlichen Ursachen.
Nickel auf dem tiefsten Stand seit Dezember 2025
An der Londoner Metallbörse (LME) wurde die Tonne Nickel zur Lieferung in drei Monaten am Freitag zu 15’385 Dollar gehandelt, nachdem sie am Donnerstag 15’070 Dollar erreicht hatte, gegenüber 15’622 Dollar beim Handelsschluss eine Woche zuvor.
Dieser Rückgang erklärt sich vor allem durch die revidierten Aussichten für das Angebot. Die Internationale Nickel-Studiengruppe (INSG) hat am Dienstag einen Bericht veröffentlicht, der für 2026 nunmehr einen Überschuss von 19’000 Tonnen prognostiziert, während ihre Schätzung vom April für dieses Jahr noch von einem Defizit von 32’000 Tonnen ausging. Es handelt sich um eine Prognose, nicht um eine Feststellung: Sie dürfte die Spannungen auf der Nachfrageseite dämpfen und auf den Preis drücken.
Die Lage ist nicht eindeutig. «Dieser Überschuss dürfte allerdings deutlich geringer ausfallen als die fast 300’000 Tonnen, die im vergangenen Jahr verzeichnet wurden», betont Barbara Lambrecht, Analystin bei der Commerzbank. Indonesien, mit grossem Abstand der weltweit grösste Produzent, hat für 2026 eine deutlich strengere Abbauquote für Erz (RKAB) festgelegt als 2025, doch der Produktionsrückgang fiel geringer aus als erwartet.
Der Goldpreis schwankt zwischen Inflation und sicherem Hafen
Gold wurde zunächst durch die US-Inflation belastet. Der am Mittwoch veröffentlichte Konsumentenpreisindex (CPI) der Vereinigten Staaten hat sich im September weiter beschleunigt, mit einem Anstieg von 3,7% gegenüber dem Vorjahr, angetrieben von den Energiepreisen. Der Markt hat daraufhin die Wahrscheinlichkeit einer strafferen Geldpolitik höher eingeschätzt, was den Dollar begünstigte und das gelbe Metall fallen liess.
Der Mechanismus ist bekannt: Wenn die Zinsen der US-Notenbank höher sind, bieten Dollar-Anlagen eine bessere Rendite, was für Gold ungünstig ist. Doch der Greenback gab gegen Ende der Woche nach, und Gold erholte sich teilweise.
Zur geldpolitischen Lesart kommt eine weitere hinzu. «Andere Faktoren als die Geldpolitik stützen das Edelmetall weiterhin», meint Thu Lan Nguyen von der Commerzbank. Die Sorgen um die Verschuldung Frankreichs zum Beispiel «befeuern ihrerseits eine immer stärkere Nachfrage nach sicheren Häfen wie Gold», präzisiert die Analystin. Unter dem Strich wurde die Unze Gold (31,1 g) in London zu 4188,16 Dollar gehandelt, gegenüber 4194,24 Dollar zum Schluss der Vorwoche, also praktisch unverändert.
Der Kakaopreis wird von Nachfrage und Wetter gestützt
Die Kakaopreise sind leicht gestiegen. In New York notierte die Tonne zur Lieferung im Dezember bei 5815 Dollar, gegenüber 5665 Dollar sieben Tage zuvor zum Handelsschluss. In London kostete die Tonne zur Lieferung im März am Freitag 4461 Pfund, gegenüber 4385 Pfund eine Woche zuvor.
Zwei Faktoren werden angeführt. Zunächst die Nachfrage: Die Kakaovermahlung ist in Europa im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 3,2% gestiegen. «Es war der erste Quartalsanstieg im Jahresvergleich seit mehr als zwei Jahren», hält Carsten Fritsch von der Commerzbank fest. In Asien meldete der lokale Kakaoverband (CAA) sogar einen Anstieg von 29% gegenüber dem Vorjahr. Dann das Wetter: In der Elfenbeinküste und in Ghana, den beiden wichtigsten Produktionsländern, «waren die Niederschläge zuletzt unzureichend, was sich negativ auf die derzeit laufende Haupternte auswirken könnte», so derselbe Analyst. Auch hier handelt es sich um ein genanntes Risiko, nicht um einen festgestellten Ernterückgang.
Was diese Bewegungen für Unternehmen bedeuten können
Die Meldung sagt nichts über die Auswirkungen dieser Entwicklungen auf Schweizer Unternehmen, sei es in der Schokoladenbranche, der Uhrenindustrie oder der Industrie. Allgemein verteuert ein Preisanstieg bei einem Rohstoff die Einkäufe der Unternehmen, die ihn verarbeiten, während ein Preisrückgang ihre Kosten senkt. Die tatsächliche Wirkung hängt jedoch von zahlreichen unternehmensspezifischen Faktoren ab: im Voraus abgeschlossene Lieferverträge, Absicherungen an den Terminmärkten, Anteil des Rohstoffs an den Endkosten oder auch die Entwicklung der Wechselkurse, da diese Preise in Dollar oder Pfund festgelegt werden.
Über eine einzige Woche bleiben die Schwankungen zudem bescheiden, vor allem beim Gold. Sie sagen mehr über die wirkenden Kräfte aus (Nickelangebot, US-Geldpolitik, Kakaonachfrage) als über einen dauerhaften Trend.
Quellen
- Allnews: «Matières premières: le nickel s’affaisse, l’or tergiverse, le cacao progresse»




