Die Staatsgarantie einer Kantonalbank deckt sämtliche Verbindlichkeiten der Bank ab: Kann die Bank diese nicht mehr erfüllen, haftet ihr Kanton dafür. Laut dem Artikel «Banque cantonale» der Online-Enzyklopädie Wikipedia, abgerufen im Oktober 2026, verfügen 21 der 24 Kantonalbanken über diese vollumfängliche Garantie. Die Waadtländer Kantonalbank, die Berner Kantonalbank und die Genfer Kantonalbank haben keine. Dieser Schutz geht weiter als die Einlagensicherung von esisuisse, der Selbstregulierungsorganisation der Schweizer Banken, die auf 100'000 Franken pro Kunde und pro Bank begrenzt ist.

Diese Seite behandelt einzig die Frage des Kundenschutzes. Das Gesamtporträt der Branche, mit ihrem Gewicht und ihrer Kundschaft, findet sich auf unserer Seite über die Kantonalbank. Die übrigen Bankthemen sind in der Rubrik Banken und FINMA zusammengefasst.

Was deckt die Staatsgarantie einer Kantonalbank ab?

Die Staatsgarantie erstreckt sich auf alle Verbindlichkeiten der Bank, nicht nur auf die Konten der Kunden. Wikipedia beschreibt sie als «Haftung des Garanten» des betreffenden Kantons. Der Kanton haftet somit subsidiär für alle Verbindlichkeiten seiner Bank.

Subsidiär bedeutet, dass der Kanton erst in zweiter Linie eingreift. Die Bank haftet zunächst mit ihren eigenen Mitteln für ihre Schulden. Der Kanton springt ein, wenn diese Mittel nicht ausreichen.

Die Garantie gilt als vollumfänglich: Die Quelle nennt keine Obergrenze pro Kunde oder pro Forderungsart. Sie präzisiert auch weder das Verfahren noch die Fristen, innerhalb derer ein Kanton zahlen müsste.

Welche Kantonalbanken geniessen sie, und welche nicht?

Einundzwanzig von vierundzwanzig Kantonalbanken geniessen laut Wikipedia die vollumfängliche Garantie ihres Kantons. Das ist beispielsweise bei der Zürcher Kantonalbank der Fall, der Kantonalbank des Kantons Zürich und der grössten der Gruppe.

Drei Institute haben keinerlei Staatsgarantie. Die Tabelle gibt ihre Bilanzsumme 2022 wieder, entnommen aus der von Wikipedia veröffentlichten Liste nach den Zahlen des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken (VSKB).

Bank ohne StaatsgarantieGründungBilanzsumme 2022
Waadtländer Kantonalbank184559,4 Milliarden Franken
Berner Kantonalbank183439,8 Milliarden Franken
Genfer Kantonalbank181630 Milliarden Franken

Für die Kunden dieser drei Banken beruht der Schutz auf der Einlagensicherung, wie bei jeder anderen in der Schweiz niedergelassenen Bank. Die konsultierten Quellen erklären nicht, weshalb diese Kantone keine Garantie gewähren.

Wer entschädigt die Staatsgarantie?

Die Bank entschädigt ihren Kanton selbst für diese Garantie. Laut Wikipedia leistet sie ihm eine finanzielle Abgeltung, die durch die kantonale Regelung festgelegt wird.

Die Höhe dieser Abgeltung nennt die Quelle nicht. Die konsultierten Quellen erlauben es weder, diese Abgeltungen zu beziffern, noch, sie zu vergleichen.

Worin unterscheidet sie sich von der Einlagensicherung von esisuisse?

Die Einlagensicherung schützt nur die Guthaben der Kunden, und zwar bis zu einer Obergrenze. Laut esisuisse schützt sie die Einlagen der Kunden bei einem Bankkonkurs bis zu 100'000 Franken vor Verlust. Die Obergrenze gilt pro Kunde und pro Bank.

esisuisse ist ein privater Verein mit Sitz in Basel und die Selbstregulierungsorganisation der Schweizer Banken und Wertpapierhäuser. Alle Banken mit einer Zweigniederlassung in der Schweiz müssen Mitglied sein. Die Kantonalbanken, ob von ihrem Kanton garantiert oder nicht, unterstehen ihr daher wie die anderen.

Laut esisuisse schützt die Einlagensicherung alle Kunden, Privatpersonen wie Unternehmen. Sie ist gesetzlich geregelt. esisuisse finanziert die Auszahlung der gesicherten Einlagen, wenn die liquiden Mittel der konkursiten Bank nicht ausreichen. Eine Teilrevision des Bankengesetzes, in Kraft seit dem 1. Januar 2023, hat den Schutz der Einleger verstärkt, namentlich für Inhaber von Gemeinschaftskonten.

KriteriumStaatsgarantieEinlagensicherung
GarantDer Kanton, subsidiäresisuisse, privater Selbstregulierungsverein
Betroffene Banken21 der 24 KantonalbankenAlle Banken mit einer Zweigniederlassung in der Schweiz
Was gedeckt istAlle Verbindlichkeiten der BankDie Einlagen der Kunden, Privatpersonen und Unternehmen
ObergrenzeKeine genannt: Garantie gilt als vollumfänglich100'000 Franken pro Kunde und pro Bank
GrundlageKantonale RegelungDas Bankengesetz
GegenleistungAbgeltung der Bank an den KantonVon der Quelle nicht präzisiert

Ein Institut mit einer Fintech-Bewilligung bietet weder das eine noch das andere. Laut esisuisse sind die Einlagen seiner Kunden im Konkursfall weder privilegiert noch durch eine Einlagensicherung geschützt. 2clics hat dies in seinem Artikel «Schweizer Neobank: Lizenz, Einlagensicherung und Unterschiede» ausführlich dargelegt.

Wird die Staatsgarantie infrage gestellt?

Sie wird im Rahmen der Beziehungen zur Europäischen Union (EU) diskutiert. Laut Wikipedia stellen die Verhandlungen zwischen der Schweiz und der EU über den Zugang der Schweizer Banken zum europäischen Markt diese Garantie infrage. Die Enzyklopädie stützt sich auf einen Artikel der NZZ am Sonntag vom 14. Februar 2016.

Die konsultierten Quellen sagen nicht, wo dieses Dossier 2026 steht. Bei der Einlagensicherung verteidigt der VSKB den Status quo. In seinem «Blick auf die Session» vom 2. September 2026 hält er fest, dass sich das heutige System bewährt habe, und lehnt jede Anpassung ab.

Die Geschichte zeigt, dass eine Kantonalbank verschwinden kann. Laut Wikipedia verschwanden jene von Solothurn und Appenzell Ausserrhoden Mitte der 1990er-Jahre nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Misswirtschaft. Die Solothurner Bank wurde am 1. Januar 1995 in den Schweizerischen Bankverein integriert. Die Übernahme der Appenzeller Bank durch die UBS wurde 1996 beschlossen. Die Quelle sagt nicht, welche Rolle die Staatsgarantie in diesen beiden Fällen gespielt hat.

Kennzahlen

  • 21 von 24 Kantonalbanken verfügen über die vollumfängliche Garantie ihres Kantons (Wikipedia).
  • 3 haben keine: die Waadtländer Kantonalbank, die Berner Kantonalbank und die Genfer Kantonalbank.
  • 100'000 Franken: Obergrenze der Einlagensicherung, pro Kunde und pro Bank (esisuisse).
  • 1. Januar 2023: Inkrafttreten der Teilrevision des Bankengesetzes zum Schutz der Einleger.
  • 782,4 Milliarden Franken: Summe der Bilanzen der 24 Kantonalbanken im Jahr 2022 (Wikipedia, nach VSKB).
  • Rund 30 % des Schweizer Bankenmarkts entfallen auf die Gruppe der Kantonalbanken (Wikipedia).

Was sich für Sparer oder KMU ändert

Für Kunden stellt sich zunächst die Frage, welche Garantie für ihre Bank gilt. Bei 21 Kantonalbanken haftet der Kanton für alle Verbindlichkeiten, über die Obergrenze der Einlagensicherung hinaus. Bei den drei anderen gilt nur die Einlagensicherung, bis zu 100'000 Franken pro Kunde.

Für KMU hält esisuisse fest, dass Unternehmen gleich geschützt sind wie Privatpersonen, mit derselben Obergrenze. Darüber hinaus deckt nur die Staatsgarantie, wo sie besteht, den Restbetrag. Den genauen Status klärt man bei der Bank ab, deren Garantie durch die kantonale Regelung festgelegt wird. Diese Seite stellt keine Finanzberatung dar.

Was noch nicht bekannt ist

  • Die Höhe der Abgeltung, die jede Kantonalbank ihrem Kanton leistet.
  • Das Verfahren und die Fristen bei einer Inanspruchnahme der Staatsgarantie.
  • Weshalb die Kantone Waadt, Bern und Genf keine Garantie gewähren.
  • Der Stand 2026 der Infragestellung der Garantie im Zusammenhang mit den Verhandlungen mit der EU, belegt durch eine Quelle von 2016.
  • Die detaillierte Liste der durch die Einlagensicherung gedeckten Einlagen, für die die Startseite von esisuisse auf ihre häufig gestellten Fragen verweist.

In diesem Dossier

Quellen