Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) hat am 14. Oktober 2026 ihre jährliche Beurteilung der Notfallpläne und der Stabilisierungspläne der drei inlandorientierten systemrelevanten Banken veröffentlicht. Ihr Befund: Die Notfallpläne der Zürcher Kantonalbank (ZKB) und von Raiffeisen erfüllen die regulatorischen Anforderungen, während jener von PostFinance «noch nicht alle regulatorischen Anforderungen erfüllt» (aus dem Englischen übersetzt). Die Stabilisierungspläne der drei Institute werden hingegen erneut genehmigt.

Diese Mitteilung ist als das zu lesen, was sie ist: die Einschätzung der Aufsichtsbehörde zu Unterlagen, welche die Banken ihr 2025 eingereicht haben. Es handelt sich weder um eine Sanktion noch um einen Entscheid über die Zukunft von PostFinance. Der Umfang beschränkt sich zudem auf die drei systemrelevanten Banken, die hauptsächlich in der Schweiz tätig sind: Die FINMA hält fest, dass sie Ende Herbst 2026 separat über die Krisenplanung der UBS informieren wird.

Zwei Pläne, zwei Szenarien

Systemrelevante Banken müssen der FINMA jedes Jahr einen Notfallplan und einen Stabilisierungsplan einreichen. Die beiden Dokumente beantworten nicht dieselbe Frage.

Der Notfallplan «legt dar, wie die Weiterführung der systemrelevanten Funktionen für die Schweiz sichergestellt werden kann, wenn diese durch eine Insolvenz bedroht wären» (aus dem Englischen übersetzt), so die Mitteilung. Es geht also um das Szenario, in dem die Bank selbst in ihrer bestehenden Form nicht mehr gerettet werden kann, gewisse ihrer Tätigkeiten für die Wirtschaft des Landes aber weiterhin funktionieren müssen.

Der Stabilisierungsplan wiederum «legt dar, wie sich die Bank im Fall einer Finanzkrise aus eigener Kraft nachhaltig stabilisieren kann» (aus dem Englischen übersetzt). Er beschreibt die Massnahmen, die das Institut ergreifen würde, um sich zu erholen, bevor es so weit kommt.

Konform heisst nicht unfehlbar

Für die ZKB und Raiffeisen fällt das Fazit positiv aus. Die FINMA legt jedoch Wert darauf, dessen Tragweite zu präzisieren: Diese Beurteilung «bedeutet nicht, dass die Weiterführung der systemrelevanten Funktionen in allen denkbaren Krisenszenarien vollumfänglich sichergestellt ist» (aus dem Englischen übersetzt).

Die Behörde erinnert daran, dass die regulatorischen Anforderungen an inlandorientierte systemrelevante Banken im Vergleich zu global systemrelevanten Banken namentlich eine geringere Verlusttragfähigkeit vorsehen. In besonders schweren Krisenszenarien kann dies die verfügbaren Optionen einschränken.

Was PostFinance noch fehlt

Die Mitteilung anerkennt Fortschritte bei PostFinance. Das Institut erfüllt seit Ende 2025 die Anforderungen an die zusätzlichen verlustabsorbierenden Mittel und hat die Weiterentwicklung seiner Alternativstrategie vorangetrieben.

Die Schwachstelle liegt anderswo. Laut der FINMA müssen die in dieser Strategie vorgesehenen Optionen für den Fall, dass eine Sanierung der Bank und die Fortführung ihres Betriebs nicht möglich wären, noch konkretisiert werden. Mit anderen Worten: Gerade das extremste Szenario, jenes, in dem die Sanierung scheitert, ist noch ungenügend ausgearbeitet.

Die FINMA weist auf einen Punkt hin, der PostFinance eigen ist: Ihr gesetzlicher Grundversorgungsauftrag muss in diesem Zusammenhang ebenfalls berücksichtigt werden. Die Behörde erwähnt die derzeit in der Vernehmlassung befindliche Änderung des Postgesetzes, welche die Rechtsunsicherheit in diesem Punkt verringern soll. Es handelt sich um ein laufendes Gesetzgebungsvorhaben und nicht um einen verabschiedeten Erlass.

Was dies konkret bedeutet, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nur dem Wortlaut der Mitteilung entnehmen: Der Notfallplan von PostFinance ist «noch nicht» konform und muss ergänzt werden. Eine verbindliche Massnahme kündigt die FINMA darin nicht an. Die von swissinfo.ch übernommene Agentur Keystone-SDA hält ihrerseits fest, dass die Pläne von PostFinance die Aufsicht erneut nicht überzeugt haben.

Stabilisierung: verschärfte Anforderungen nach der Credit Suisse

Bei der Stabilisierung gibt die FINMA an, ihre Anforderungen infolge der Krise der Credit Suisse verschärft zu haben. Die überarbeiteten Kriterien wurden im letzten Beurteilungszyklus erstmals angewendet. Sie sehen beispielsweise vor, dass die Banken jedes Jahr einen Stresstest durchführen, um ihre Eskalationsverfahren und die vorgesehenen Stabilisierungsmassnahmen zu erproben, und dabei die zuständigen Organe und die Geschäftsleitung einbeziehen.

Laut der Behörde haben die drei Banken ihre Pläne unter Berücksichtigung der Lehren aus der Krise der Credit Suisse verfeinert und bedeutende Fortschritte erzielt. Gewisse Elemente der neuen Anforderungen sind jedoch noch umzusetzen, namentlich die Dokumentation der jährlichen Krisenübungen und die Aktualisierung der Krisenkommunikationspläne. Die FINMA erwartet, dass diese Lücken innert angemessener Fristen geschlossen werden.

Quellen

  • FINMA: «FINMA assesses the emergency and recovery plans for Zürcher Kantonalbank, Raiffeisen and PostFinance»
  • SWI swissinfo.ch: «Swiss regulator fails PostFinance financial emergency plans»