Die Schweizerische Nationalbank (SNB) belässt ihren Leitzins unverändert bei 0 %. Dies gab sie in ihrer Medienmitteilung vom 24. September 2026 bekannt. Hier steht, was die SNB zu ihren Gründen, zur Inflation und zu ihren Prognosen schreibt, und was sich daraus für Haushalte und Unternehmen ableiten lässt – oder eben nicht.

Was die SNB beschlossen hat

Die Sichtguthaben, welche die Banken bei der SNB halten, werden bis zu einer bestimmten Schwelle zum Leitzins verzinst. Über dieser Schwelle bleibt der Abschlag bei 0,25 Prozentpunkten. Die Medienmitteilung nennt die Höhe dieser Schwelle nicht. Die SNB fügt an, dass sie bei Bedarf bereit ist, am Devisenmarkt zu intervenieren, um angemessene monetäre Bedingungen sicherzustellen.

Die angeführten Gründe

Die SNB stützt ihren Entscheid auf drei Feststellungen. Erstens ist die Inflation seit Juni weiter gestiegen, hauptsächlich aufgrund höherer Energiepreise. Zweitens hat der mittelfristige Inflationsdruck nur leicht zugenommen. Drittens erachtet die SNB ihre Geldpolitik als angemessen, um die Inflation im Bereich der Preisstabilität zu halten, und ist der Ansicht, dass sie die wirtschaftliche Entwicklung unterstützt.

Die Inflation: die veröffentlichten Zahlen

Gemäss der SNB stieg die Inflation von 0,6 % im Mai auf 0,8 % im August 2026. Laut der Grafik der Medienmitteilung handelt es sich um die Jahresveränderung des Landesindexes der Konsumentenpreise. Die Notenbank führt diesen Anstieg auf jenen der Warenteuerung zurück, die im August erstmals seit Mai 2024 positiv war. Diese ist gemäss Medienmitteilung hauptsächlich auf die Verteuerung der Erdölprodukte zurückzuführen.

Die bedingte Inflationsprognose

Die sogenannte bedingte Inflationsprognose der SNB beruht auf der Annahme eines Leitzinses von 0 % über den gesamten Prognosehorizont. Jene vom September 2026 geht von einer durchschnittlichen Jahresinflation von 0,7 % für 2026, von 0,8 % für 2027 und von 0,8 % für 2028 aus. Gemäss der SNB bleibt die Prognose über den gesamten Horizont im Bereich der Preisstabilität.

Gemäss diesem Szenario dürfte die Inflation im vierten Quartal noch etwas steigen und im Verlauf des Jahres 2027 dann zurückgehen, da die derzeit deutlich erhöhte Energieteuerung in den kommenden Quartalen abnehmen dürfte. Danach steigt die Prognose wieder leicht an. Im Vergleich zur Prognose vom Juni 2026 ist die kurzfristige Prognose aufgrund höher als erwarteter Preise für Erdölprodukte höher. Mittelfristig liegt sie ebenfalls leicht höher, was die SNB unter anderem mit der Abschwächung des Schweizer Frankens begründet. Es handelt sich um Prognosen, nicht um festgestellte Zahlen.

Konjunktur: Wachstum und Unsicherheiten

International stellt die SNB fest, dass das globale Wachstum im zweiten Quartal stärker als erwartet ausfiel und die Inflation in vielen Ländern weiterhin über den Zielen der Zentralbanken liegt, insbesondere wegen der Energiepreise. Sie weist darauf hin, dass die Leitzinsen im Euroraum und in den USA angehoben wurden, ohne in der Medienmitteilung die Daten oder das Ausmass dieser Erhöhungen zu nennen. Ihr Basisszenario sieht für die kommenden Quartale ein moderates globales Wachstum und eine noch einige Zeit erhöhte Inflation vor.

In der Schweiz war das BIP-Wachstum im zweiten Quartal aussergewöhnlich stark. Gemäss der SNB führte jedoch eine ungewöhnlich robuste Entwicklung der Chemie-Pharma-Branche dazu, dass das BIP die zugrunde liegende Dynamik überzeichnete; auch ohne diesen Effekt war das Wachstum solid und breit abgestützt. Gleichzeitig war die Auslastung der Kapazitäten unterdurchschnittlich, vor allem in der verarbeitenden Industrie, und die Arbeitslosigkeit stieg bis Anfang Sommer erneut leicht an. Die SNB rechnet für die kommenden Quartale mit einem moderaten Wachstum. Für das gesamte Jahr 2026 erwartet sie derzeit ein Wachstum zwischen 1,5 % und 2 % und für 2027 weiterhin rund 1,5 %.

Das Basisszenario der SNB bleibt mit grosser Unsicherheit behaftet, vor allem wegen der Lage im Nahen Osten: Die Energiepreise könnten deutlich höher ausfallen als erwartet, was gemäss der SNB die Inflation weiter erhöhen und das Wachstum spürbar bremsen würde. Auch das handelspolitische Umfeld und die Entwicklung der Wechselkurse bleiben Quellen der Unsicherheit.

Was das für Haushalte und Unternehmen bedeuten kann

Die Medienmitteilung widmet den Haushalten und Unternehmen keinen eigenen Abschnitt; sie sagt beispielsweise nichts zu Hypothekarzinsen, zum Sparen oder zu Krediten. In dieser Hinsicht hält die SNB fest, dass ihre Geldpolitik die wirtschaftliche Entwicklung unterstützt und dass diese, wie auch die jüngste Abwertung des Frankens, eine stützende Wirkung auf das Wachstum hat.

Eine vorsichtige Lesart, die nicht von der SNB stammt, wäre folgende. Für Haushalte betrifft der konkreteste Punkt die Preise: Die SNB erwartet im Verlauf des Jahres 2027 einen Rückgang der Inflation, eine Prognose, die unter anderem von den Energiepreisen abhängt. Für Unternehmen verweist die SNB auf Wachstumsimpulse aus dem Ausland und die jüngste Abwertung des Frankens, aber auch auf eine unterdurchschnittliche Kapazitätsauslastung in der verarbeitenden Industrie. Die Quelle sagt nicht, wie sich diese Elemente auf ein bestimmtes Budget oder ein bestimmtes Unternehmen auswirken werden.

Für weitere Einzelheiten verweist die SNB auf die einleitenden Bemerkungen ihres Direktoriums, die auf ihrer Website für den 24. September 2026 ab 10 Uhr angekündigt waren und für diesen Artikel nicht eingesehen wurden.

Quellen