Stadler Rail hat realisiert, was die Agentur Keystone-SDA, übernommen von swissinfo.ch, als Weltpremiere bezeichnet: einen Wasserstoffzug, der für Schmalspur konzipiert ist. Das Fahrzeug ist für Sardinien bestimmt. Derzeit wird es in der Schweiz getestet, auf einer Teststrecke, die der Thurgauer Hersteller eigens zu diesem Zweck im Kanton Schaffhausen gebaut hat.
Eine Schmalspur, ein klar umrissener regionaler Markt
Laut der von swissinfo.ch zitierten Mitteilung des Unternehmens stützt sich der Regionalverkehr in Süditalien teilweise auf Strecken mit einer Spurweite von 950 Millimetern. Züge für diese besondere Spurweite verkehren namentlich in Apulien, auf Sizilien, in der Region Neapel und auf Sardinien. Auf diesen Nischenmarkt zielt Stadler Rail: Netze, die nicht einfach das für Normalspur vorgesehene Rollmaterial übernehmen können.
Als erste Kundin wird die regionale Verkehrsgesellschaft Sardiniens (ARST) genannt. Doch der Auftrag endet nicht auf der Insel: Laut derselben Quelle baut Stadler Rail eine Wasserstoffflotte für drei italienische Regionen, Sardinien, Kalabrien und Sizilien. Bisher sind Tests für insgesamt 21 Fahrzeuge vorgesehen. Die Quellen nennen weder den Betrag dieser Verträge noch den Lieferzeitplan für die einzelnen Regionen.
Eine Teststrecke zwischen Hemishofen und Ramsen
Um dieses Rollmaterial zu testen, hat Stadler Rail in diesem Frühjahr eine Teststrecke zwischen den Bahnhöfen Hemishofen und Ramsen im Kanton Schaffhausen gebaut. Die knapp 4 Kilometer lange Strecke ergänzt das bestehende Normalspurgleis um eine dritte Schiene im Innern, wodurch dort Schmalspurfahrzeuge verkehren können.
Die Wahl dieses Abschnitts ist kein Zufall. Auf derselben Normalspurstrecke hat der für Kalifornien gebaute Wasserstoffzug FLIRT H2 seine Tests absolviert. Laut swissinfo.ch geht die Idee, die Strecke zu erweitern, gerade auf den Erfolg dieses Projekts zurück. In den nächsten drei Jahren soll die Schaffhauser Strecke eine Schlüsselrolle bei der Inbetriebnahme der für Italien bestimmten Flotte spielen: Es handelt sich dabei um ein angekündigtes Programm, noch nicht um eine Bilanz.
Was der sardische Betreiber davon erwartet
Für die ARST geht es zunächst um den Betrieb. «Die bevorstehende Lieferung der neuen Wasserstoffzüge stellt einen entscheidenden Schritt dar», erklärt ihr Generaldirektor Carlo Poledrini, der in der Mitteilung zitiert wird. Ihm zufolge werden die Züge nach einer umfangreichen Testphase in Sardinien eintreffen, was es ermöglichen soll, rasch mit den letzten Tests auf dem Netz der Insel zu beginnen. Er sieht darin einen konkreten Schritt hin zu einem emissionsfreien Verkehr und zu grösserer energetischer Unabhängigkeit. Diese Ziele bleiben jene des Betreibers: Die Quellen beziffern weder die vermiedenen Emissionen noch die Betriebskosten.
Was die Premiere über die Schweizer Industrie aussagt
Für Stadler Rail liegt der Wert dieser Premiere weniger in der Zahl der Fahrzeuge als im technischen Nachweis: Das Unternehmen zeigt, dass es den Wasserstoffantrieb, der sich auf Normalspur mit dem FLIRT H2 bereits bewährt hat, an engere Schmalspurnetze anpassen kann. Und es tut dies in der Schweiz, wo die Testphase vor dem Export stattfindet.
Diese Verankerung zeigt sich auch in den Zahlen des Unternehmens. Stadler Rail geht auf das Ingenieurbüro zurück, das Ernst Stadler 1942 in Zürich gegründet hat. Der heute in Bussnang im Thurgau ansässige Konzern stellt ein breites Sortiment an Rollmaterial her, von Hochgeschwindigkeitszügen über Regionalzüge bis zu Trams und U-Bahnen, von denen einige in der Schweiz und im Tessin verkehren. Er beschäftigt 18 000 Personen, davon 6000 in der Schweiz, und erzielte 2025 einen Umsatz von 3,7 Milliarden Franken.
An der Börse ist die Stadler-Rail-Aktie laut swissinfo.ch seit Anfang Januar um 44 % gestiegen und in den letzten zwölf Monaten um 57 %. Diese festgestellten Kursgewinne sagen nichts über die künftige Entwicklung des Titels aus, und die Quellen bringen sie nicht direkt mit der Ankündigung aus Sardinien in Verbindung.
Quellen
- SWI swissinfo.ch: «Stadler Rail builds world’s first narrow-gauge hydrogen train»




