Die Stiftung für Innovation und Technologie (FIT), die junge Unternehmen im Kanton Waadt und in der Westschweiz unterstützt, gewährt drei Start-ups je ein Tech-Seed-Darlehen von 100'000 Franken, wie aus ihrer Mitteilung vom 28. Oktober 2026 hervorgeht. Biodelphis Therapeutics zielt auf Osteoporose, PolaSight auf die Krebschirurgie und Swiss Soil auf die Bewirtschaftung von Rebbergen. Jedes Darlehen finanziert einen klar umrissenen Schritt vor der Markteinführung.

Es handelt sich um Darlehen, nicht um eine Finanzierungsrunde: Die FIT meldet keinen Einstieg von Investoren ins Kapital. Bei Swiss Soil soll das Darlehen gerade eine erste Finanzierungsrunde vorbereiten. Diese Unterstützung kommt also vor den Runden, die unser Leitfaden zum Thema Kapital für ein Start-up beschaffen in der Schweiz beschreibt.

Drei Tech-Seed-Darlehen, drei verschiedene Etappen

Die drei Beträge sind identisch, doch ihre Verwendung unterscheidet sich laut der Mitteilung der FIT deutlich von Start-up zu Start-up.

Start-upHerkunftBereichWas das Darlehen finanziertAngekündigter Zeitpunkt
Swiss SoilNicht angegebenBewirtschaftung von RebbergenAnteil von 66'000 Franken an einem Innosuisse-Projekt, Gründung einer AktiengesellschaftMarkteinführung für 2028 angestrebt
PolaSightSpin-off der Universität BernGewebeanalyse während einer KrebsoperationCE-Kennzeichnung, erste Installationen in SpitälernCE-Kennzeichnung für Anfang 2027 geplant
Biodelphis TherapeuticsHervorgegangen aus der EPFLGezielte Behandlung von OsteoporoseSicherheitstests und erste Studie des Medikaments im OrganismusKein Datum für Versuche am Menschen

Swiss Soil: ein Darlehen, das weitere Mittel freisetzt

Bei Swiss Soil dienen die 100'000 Franken der FIT als Hebel. Laut der Stiftung lösen sie eine Unterstützung von 100'000 Franken durch den Kanton Waadt aus. Zudem finanzieren sie den Anteil von 66'000 Franken, den das Start-up an ein Projekt von Innosuisse, der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung, beisteuern muss.

Dieses auf zwei Jahre angelegte Projekt hat Innosuisse im Juli 2026 genehmigt. Es wird gemeinsam mit der Weinbauschule Changins durchgeführt und soll das komplette System 2027 und 2028 in echten Rebbergen testen. Swiss Soil hat bereits zehn Absichtserklärungen unterzeichnet.

Das Produkt heisst AGROSTASIS. Es verknüpft Boden- und Saftanalysen, Wetterdaten und Bilder eines automatischen Mikroskops, um Stress und Mangelerscheinungen der Rebe zu erkennen. Die Teams des von Craig Arnold geleiteten Start-ups übernehmen die Probenahmen und die Eingriffe: Der Winzer delegiert die Bewirtschaftung. Die drei wichtigsten Bausteine wurden unter anderem mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Kantons Waadt (HEIG-VD) und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH Zürich) entwickelt.

PolaSight: das Gewebe während der Operation analysieren

PolaSight, ein von Roi Finish geleitetes Spin-off der Universität Bern, will die Wartezeit während einer Krebsoperation verkürzen. Heute dauert die Schnellschnittuntersuchung einer Probe laut der FIT in der Regel 20 bis 40 Minuten. Der Patient bleibt während dieser Zeit in Narkose.

Seine Plattform PolaOne kartiert die gesamte frische Probe in rund sechzig Sekunden, ohne Färbung. So weiss der Pathologe, welche Bereiche er zuerst untersuchen soll, und das Gewebe bleibt für die übliche Analyse intakt. Laut der Stiftung könnte dies die Narkosedauer verkürzen und eine zweite Operation seltener nötig machen. Diese Vorteile müssen erst noch durch die klinische Validierung belegt werden.

PolaOne wird bereits in mehreren Pathologielabors für die Forschung eingesetzt. Das Darlehen soll die CE-Kennzeichnung finanzieren, die für den Einsatz in europäischen Spitälern vorgeschrieben und für Anfang 2027 geplant ist.

Biodelphis Therapeutics: nur die Zellen ins Visier nehmen, die den Knochen abbauen

Biodelphis Therapeutics, hervorgegangen aus der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) und geleitet von Aaron Petruzzella, nimmt sich eines bekannten Misserfolgs an. Laut der FIT wurden fünf Medikamente aufgegeben, die Cathepsin K blockieren, ein am Knochenabbau beteiligtes Protein. Eines davon scheiterte in der letzten Studienphase wegen eines erhöhten Schlaganfallrisikos.

Das Start-up koppelt ein kleines hemmendes Peptid an einen Antikörper, der es ausschliesslich zu den Zellen führt, die den Knochen abbauen. Dieselbe Methode wendet es auf Lungenkrebs an. Erste Tests haben ihre Wirksamkeit im Tierversuch gezeigt; Versuche am Menschen haben noch keine stattgefunden.

Das Darlehen soll dazu dienen, zu zeigen, dass diese Behandlung das Schlaganfallrisiko nicht erhöht, und eine erste Studie zum Verhalten des Medikaments im Organismus durchzuführen. Diese Arbeiten gehen den Studien voraus, die vor jedem Versuch am Menschen verlangt werden.

Wie funktioniert das Tech-Seed-Darlehen der Stiftung FIT?

Das Tech-Seed-Darlehen ist laut der Seite «Prêts et bourses» der Stiftung eines der drei Instrumente des Programms FIT Tech, neben dem Zuschuss Tech Grant und dem Darlehen Tech Growth. FIT Tech richtet sich an Start-ups, die auf einer schwer nachahmbaren technologischen Innovation beruhen und ein hohes Wachstumspotenzial haben. Die Beträge reichen über alle Instrumente hinweg von 100'000 bis 500'000 Franken.

Die Stiftung bietet zwei weitere Programme an: FIT Digital mit 20'000 bis 200'000 Franken und FIT Impact mit 10'000 bis 20'000 Franken. FIT Impact hat soeben die Projekte Niv'o und EC Knit mit je 10'000 Franken unterstützt. Die 1994 gegründete FIT hat laut ihrer Website 2025 insgesamt 61 Projekte mit 5,475 Millionen Franken unterstützt. Die Übersicht über die FIT-Darlehen fasst ihre weiteren Förderungen des Jahres zusammen.

Start-up-Finanzierung in der Schweiz: Wo steht ein Darlehen von 100'000 Franken?

Mit 100'000 Franken bewegt sich das Tech-Seed-Darlehen auf dem Niveau anderer öffentlicher oder philanthropischer Anschubhilfen. Die Zahlen stammen von den Seiten der Programme und wurden von 2clics zusammengetragen.

ProgrammGebietSeed-StufeBetrag
FIT Tech SeedWaadt und WestschweizDarlehen100'000 Franken pro Start-up in dieser Ankündigung
FIF SeedGenfForm in den Quellen nicht angegebenBis zu 100'000 Franken
Venture KickGanze SchweizPhilanthropische Unterstützung in drei StufenBis zu 150'000 Franken

Der FIF, das Innovationsprogramm des Kantons Genf, hat dEEGtal und S-SENTIA 100'000 Franken als FIF Seed Tech gewährt, wie 2clics im Oktober 2026 berichtete. Venture Kick beginnt seinerseits mit 10'000 Franken für eine Idee aus einer Hochschule, wie unsere Seite zur Seed-Finanzierungsrunde zeigt. Danach folgen Business Angels und schliesslich Risikokapital.

Was noch offen ist

  • Die Bedingungen des Darlehens: Weder die Mitteilung noch die Seite «Prêts et bourses» der FIT nennen Zinssatz, Laufzeit oder Rückzahlungsmodalitäten eines Tech-Seed-Darlehens.
  • Die erste Finanzierungsrunde von Swiss Soil: Betrag und Zeitpunkt sind nicht angekündigt.
  • Die Unterstützung des Kantons Waadt für Swiss Soil: Ihre genaue Form wird nicht präzisiert.
  • Die ersten von PolaSight ausgerüsteten Spitäler: Keines wird namentlich genannt.
  • Der Zeitplan von Biodelphis Therapeutics: Für einen ersten Versuch am Menschen wird kein Datum genannt.

Alle unsere News zu Finanzierungsrunden von Start-ups finden Sie in der entsprechenden Rubrik.

Quellen