UBS bereitet Notfallpläne vor, die bis zur Verlegung ihres Hauptsitzes ins Ausland reichen könnten. Dies berichtete am Mittwoch das Wall Street Journal, aufgegriffen von der Nachrichtenagentur Reuters und danach von Fintechnews Switzerland. Laut der amerikanischen Tageszeitung werden diese Szenarien für den Fall geprüft, dass das Schweizer Parlament der Bank strengere Eigenkapitalanforderungen auferlegen sollte. Die Zeitung stützt sich auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Es handelt sich also um Pläne, über die in der Presse berichtet wurde, und nicht um einen von der Bank angekündigten Entscheid.
Was das Wall Street Journal berichtet
Laut dem Wall Street Journal lägen mehrere Optionen auf dem Tisch. UBS könnte ein amerikanisches Finanzunternehmen übernehmen und ihren Hauptsitz dorthin verlegen. Als weitere Möglichkeiten werden eine Fusion mit einem europäischen Konkurrenten oder ein Verkauf an eine amerikanische Bank genannt.
Diese Informationen sind mit Vorsicht zu lesen. Reuters hält fest, dass sie den Artikel der Tageszeitung nicht sofort bestätigen konnte, und UBS lehnte einen Kommentar ab. Keine dieser Optionen wurde somit von der Bank bestätigt, und derzeit deutet nichts darauf hin, dass bereits eine Wahl getroffen worden wäre. Die Quellen geben auch nicht an, welches Gremium der Bank an diesen Szenarien arbeiten würde und nach welchem Zeitplan.
Der «Too big to fail»-Rahmen in der Diskussion
Im Kern geht es um die Revision der sogenannten «Too big to fail»-Regeln, die systemrelevante Banken betreffen. Laut Reuters erwägt die Schweiz eine Verschärfung dieser Eigenkapitalanforderungen, seit UBS 2023 die Credit Suisse übernommen hat. Der heikle Punkt betrifft die ausländischen Tochtergesellschaften der Bank: Es geht um die Frage, in welchem Umfang sie mit Eigenkapital von höchster Qualität unterlegt sein müssen.
Die konsultierten Quellen gehen weder auf den ursprünglichen Entwurf der Regierung noch auf dessen Wortlaut ein und verlinken nicht auf das offizielle Dokument. Ebenso wenig nennen sie die nächsten Schritte im parlamentarischen Zeitplan. Sie erlauben hingegen eine Einordnung, wo die Debatte im Parlament steht.
Die Position der kleinen Kammer
Im September hat die kleine Kammer des Parlaments eine Version unterstützt, die verlangen würde, dass die ausländischen Tochtergesellschaften von UBS zu 90% mit Eigenkapital von höchster Qualität unterlegt sind. Es handelt sich also um einen Text, der von einer der beiden Kammern verabschiedet wurde, und nicht um eine bereits geltende Regel. Die Quellen sagen nicht, wie sich die andere Kammer positionieren wird und wann der Text in Kraft treten könnte.
Nach Schätzungen von UBS könnte diese Version das harte Kernkapital, das die Bank halten muss, um rund 16 Milliarden Dollar erhöhen. Dieser Betrag ist eine Schätzung der Bank selbst und keine von einer Behörde ermittelte Zahl.
Die Argumente von UBS
Die Bank wehrt sich von Anfang an gegen eine vollständige Unterlegung ihrer ausländischen Tochtergesellschaften mit erstklassigem Eigenkapital. Sie hält eine solche Anforderung für übertrieben. Aus ihrer Sicht würde eine solche Regel sie gegenüber ihren internationalen Konkurrenten benachteiligen, die nicht denselben Auflagen unterworfen wären.
In diesem Kontext sind die vom Wall Street Journal berichteten Pläne zu sehen. Sie lassen sich als Vorbereitung auf mehrere mögliche Ausgänge der parlamentarischen Debatte lesen. Solange sich die Bank jedoch nicht äussert, lässt sich nicht sagen, ob es sich um blosse Arbeitsszenarien, um ein Druckmittel in der politischen Diskussion oder um eine ernsthaft erwogene Option handelt.
Das Wichtigste in Kürze
Zum jetzigen Zeitpunkt sind mehrere Punkte durch die Quellen belegt. Erstens diskutiert die Schweiz nach der Übernahme der Credit Suisse durch UBS eine Verschärfung der «Too big to fail»-Regeln. Zweitens hat die kleine Kammer im September eine Unterlegung der ausländischen Tochtergesellschaften zu 90% mit Eigenkapital von höchster Qualität unterstützt, deren Kosten UBS auf rund 16 Milliarden Dollar zusätzlich beziffert. Drittens bereitet die Bank laut dem Wall Street Journal Notfallpläne vor, darunter eine allfällige Verlegung ihres Hauptsitzes – eine Information, die weder Reuters noch UBS bestätigt haben.
Quellen
- Fintechnews Switzerland: «UBS Prepares Contingency Plans as Swiss Capital Rules Advance»




