Die Waadtländer Konjunkturkommission (Commission Conjoncture vaudoise) hat ihre Wachstumsprognose für die Wirtschaft des Kantons nach oben korrigiert. Für das Waadtländer Bruttoinlandprodukt (BIP) wird für 2026 neu ein Anstieg von 1,8 % erwartet, gegenüber 1,0 % in der im Juli veröffentlichten Prognose. Auch für 2027 steigt die Prognose auf 1,8 %, nach zuvor 1,5 %. Dies geht aus den jüngsten Daten der Kommission hervor, über die Allnews gestützt auf eine Mitteilung der BCV berichtet hat.

Es handelt sich um eine Prognose, nicht um eine Bilanz: Das Jahr ist noch nicht zu Ende, und die genannten Zahlen beziehen sich auf ein erwartetes Wachstum. Die Kommission mahnt bei den Angaben nach Branchen selbst zur Zurückhaltung: «Aufgrund der hohen Unsicherheit sind die Prognosen nach Branchen mit Vorsicht zu betrachten.»

Wer diese Zahlen veröffentlicht

Das Waadtländer BIP und die entsprechenden Prognosen werden von der Commission Conjoncture vaudoise veröffentlicht, einer Partnerschaft zwischen dem Kanton Waadt, der CVCI, der BCV und den wichtigsten Branchenverbänden des Kantons. Die Berechnungen erstellen die Ökonomen Claudio Sfreddo, seit 2008 Projektleiter, und Giuliano Bianchi vom Institut Quantitas für Wirtschaftsanalyse und -prognose der HES-SO. Die Wachstumsraten der Schweiz und des Kantons Waadt sind um die Effekte internationaler Sportgrossanlässe bereinigt. Die Daten erscheinen viermal pro Jahr; die nächste Veröffentlichung ist für Januar 2027 vorgesehen.

Ein zweites Quartal, das die Lage verändert

Die Revision erklärt sich in erster Linie durch die dynamische Aktivität, die im zweiten Quartal auf nationaler Ebene verzeichnet wurde. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) hat für die Schweiz dieselbe Bewegung vollzogen: Seine Wachstumsprognose für 2026 stieg von 0,9 % im Juni auf 1,7 % im September. Für 2027 hielt das SECO an seiner Prognose von 1,6 % fest. Die Waadtländer Projektionen liegen damit sowohl für 2026 als auch für 2027 leicht über den nationalen Prognosen.

Der wichtigste Motor bleibt die Binnennachfrage. Laut der Kommission gleicht deren Robustheit, in der Schweiz wie im Kanton, die Auswirkungen des fehlenden Schwungs im globalen Umfeld «zumindest teilweise» aus. Auf nationaler Ebene ist das KOF-Konjunkturbarometer im September erneut gestiegen. Die Aktivität profitiert zudem von Investitionen, insbesondere in künstliche Intelligenz.

Weiterhin günstige Indikatoren

Weitere Indikatoren weisen in dieselbe Richtung. Auf nationaler Ebene stieg die Inflation im September auf 1,0 % im Jahresvergleich, den höchsten Stand seit zwei Jahren, sie bleibt aber im Bereich der Preisstabilität. Die Arbeitslosigkeit «bleibt begrenzt», so die Kommission: Sie lag im September im Kanton bei 4,9 % und im landesweiten Durchschnitt bei 3,0 %. Der Franken schliesslich hat sich nicht aufgewertet: Der Euro ist seit Jahresbeginn stabil oder leicht gestiegen, auf 0,93 Franken, während der Dollar um rund 5 % auf 0,83 Franken zugelegt hat.

Die Branchen hinter der Revision

Im Kanton zeigen die Indikatoren der Kommission einen widerstandsfähigen Geschäftsgang im Bau, bei den Dienstleistungen und im Handel. In der Industrie sind die Aussichten stabil, wenn auch durchzogen, während die Stimmung der Unternehmen im Gastgewerbe sinkt.

Für 2026 könnte ein starkes Wachstum (mehr als 2 %) die Finanzdienstleistungen, die öffentlichen und halböffentlichen Dienste, den Bau, die Chemie- und Pharmabranche sowie das Gastgewerbe betreffen. Auch die Hersteller von Maschinen, Präzisionsinstrumenten und Uhren könnten ein starkes Wachstum ausweisen, eine Erholung nach mehreren schwierigen Jahren. Für die Unternehmensdienstleistungen und Immobilientätigkeiten sowie den Gross- und Detailhandel wird ein moderates Wachstum (zwischen 0,5 % und 2 %) erwartet. Verkehr und Kommunikation könnten hingegen moderat zurückgehen.

2027 dürfte das Bild weniger einheitlich ausfallen. Der Bau könnte einen moderaten Rückgang verzeichnen (zwischen -0,5 % und -2 %), während die Chemie- und Pharmabranche, das Gastgewerbe sowie Verkehr und Kommunikation stagnieren würden (Entwicklung zwischen -0,5 % und +0,5 %). Umgekehrt würden die Unternehmensdienstleistungen und Immobilientätigkeiten zu einem starken Wachstum übergehen, und die Hersteller von Maschinen, Präzisionsinstrumenten und Uhren würden es beibehalten. Die Finanzdienstleistungen sowie die öffentlichen und halböffentlichen Dienste würden sich auf ein moderates Wachstum verlangsamen, während der Gross- und Detailhandel in diesem Tempo bliebe.

Weiterhin hohe Risiken

Die Kommission betont, dass das Risikoniveau hoch bleibt: Der Konflikt im Nahen Osten dauert an, die globale geopolitische Lage bleibt angespannt, die amerikanische Handelspolitik ist weiterhin ein Unsicherheitsfaktor, und in mehreren Ländern geben Teuerung und Verschuldung Anlass zur Sorge. Die Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten konnten jedoch durch die Suche nach alternativen Bezugsquellen und Routen, die Freigabe von Lagerbeständen oder Stützungsmassnahmen abgefedert werden.

Das internationale Umfeld bleibt wenig förderlich. Die jüngsten Prognosen des Internationalen Währungsfonds (IWF), die von der Kommission zitiert werden, gehen von einem weltweiten Wachstum von 3,1 % im Jahr 2026 und einer leichten Erholung auf 3,4 % im Jahr 2027 aus. Die Konjunktur ist in den USA relativ solide, in der Eurozone fehlt es trotz einer Verbesserung in Deutschland jedoch an Impulsen. In zahlreichen Ländern steigt die Inflation infolge höherer Energiekosten wieder an und entfernt sich vom Bereich der Preisstabilität, was auch die Zinsen nach oben treibt.

Die Anhebungen im Kanton Waadt und auf nationaler Ebene gehen in dieselbe Richtung und beruhen auf demselben Fundament, der Binnennachfrage. Sie bleiben jedoch Prognosen, die von einem unsicheren internationalen Umfeld abhängen: Die nächste Aktualisierung der Kommission im Januar 2027 wird zeigen, ob sich dieses Szenario bestätigt.

Quellen

  • Allnews: «PIB vaudois: prévisions revues à la hausse pour 2026»