Die Schweizerische Nationalbank (SNB) legt ihren Leitzins an vier Lagebeurteilungen pro Jahr fest, im März, Juni, September und Dezember. Ihr Ziel: die Preisstabilität in der Schweiz zu gewährleisten und dabei der konjunkturellen Entwicklung Rechnung zu tragen. Der Leitzins wirkt zusammen mit dem Frankenkurs auf die monetären Bedingungen. Er beeinflusst Kredite, Ersparnisse und Exporteure, doch es spielen auch andere Kräfte mit, etwa die Kapitalmärkte.

Was ist der Leitzins der SNB?

Mit dem Leitzins steuert die SNB das Zinsniveau in der Schweiz. Ihre seit 2000 angewandte Strategie beschreibt eine Geldpolitik, die über die Zinsen und über den Frankenkurs wirkt.

Konkret werden die Sichtguthaben, welche die Banken bei der SNB halten, bis zu einem bestimmten Schwellenwert zum Leitzins verzinst. Darüber hinaus gilt ein Abschlag. Beim Entscheid vom 24. September 2026 blieb dieser Abschlag bei 0,25 Prozentpunkten. Die Höhe des Schwellenwerts nannte die Medienmitteilung nicht.

Die jüngsten Entscheide der Nationalbank verfolgen wir in unserer Rubrik SNB und Zinsen.

Welches Mandat hat die Schweizerische Nationalbank?

Die Bundesverfassung beauftragt die SNB als unabhängige Zentralbank, eine Geldpolitik zu führen, die dem Gesamtinteresse des Landes dient. Ihr Mandat ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten und dabei der Entwicklung der Konjunktur Rechnung zu tragen.

Die Strategie der SNB beruht auf drei Elementen:

  • einer Definition der Preisstabilität, die das Mandat präzisiert;
  • einer bedingten Inflationsprognose als wichtigstem Indikator und zentralem Kommunikationsinstrument;
  • einer Beschreibung der Umsetzung über die Zinsen und den Frankenkurs.

Die SNB zieht eine Straffung ihrer Politik in Betracht, wenn die Inflation dauerhaft über 2 % zu steigen droht. Eine Lockerung erwägt sie, wenn die Teuerung dauerhaft zu tief auszufallen droht. Die Ökonomen von Raiffeisen sprechen von einem Zielband von 0 bis 2 %.

Wie entscheidet die SNB über ihren Zins?

Das Direktorium der SNB fällt jedes Quartal einen geldpolitischen Entscheid, bei Bedarf auch häufiger. Jedem Entscheid geht eine eingehende Beurteilung der wirtschaftlichen und monetären Lage voraus, im März, Juni, September und Dezember.

Die Kommunikation folgt einem festen Ablauf:

  • eine Medienmitteilung, die den Entscheid begründet;
  • eine Medienkonferenz der Mitglieder des Direktoriums;
  • der Bericht über die Geldpolitik, veröffentlicht im Quartalsheft;
  • seit September 2025 eine Zusammenfassung der Diskussionen, die vier Wochen nach jedem Entscheid erscheint.

Das Quartalsheft berichtet zudem über die Gespräche, welche die Delegierten der SNB für regionale Wirtschaftskontakte mit Unternehmensleitungen führen.

Die SNB archiviert ihre Entscheide Jahr für Jahr, von 2000 bis 2026, auf ihrer Seite zu den geldpolitischen Entscheiden.

Wozu dient die bedingte Inflationsprognose?

Die bedingte Inflationsprognose zeigt, wie sich die Inflation entwickeln würde, wenn der Leitzins in den drei folgenden Jahren unverändert bliebe. «Bedingt» ist sie, weil sie auf dieser Annahme beruht.

Verlässt die prognostizierte Inflation den Bereich, der mit Preisstabilität gleichgesetzt wird, kann eine Anpassung der Geldpolitik nötig werden. Die im September 2026 veröffentlichte Prognose, mit einem angenommenen Leitzins von 0 %, ergab Folgendes:

JahrPrognostizierte durchschnittliche Jahresinflation (September 2026)
20260,7 %
20270,8 %
20280,8 %

Laut der SNB blieb diese Prognose über den gesamten Horizont im Bereich der Preisstabilität. Es handelt sich um Prognosen, die bei jeder Lagebeurteilung revidiert werden können.

Warum greift die SNB beim Franken ein?

Der Frankenkurs gehört ebenso wie die Zinsen zu den Hebeln der SNB. Am 24. September 2026 erklärte sie sich bereit, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, um angemessene monetäre Bedingungen sicherzustellen.

Der Franken beeinflusst auch die Inflation. Im September 2026 begründete die SNB eine etwas höhere mittelfristige Inflationsprognose namentlich mit der Abschwächung des Frankens. Sie war zudem der Ansicht, dass diese jüngste Abwertung das Wachstum stütze.

Der Franken gilt oft als sicherer Hafen. Wenn die Zweifel an der Eurozone zunehmen, kann eine höhere Nachfrage nach Franken den EUR/CHF-Kurs sinken lassen. Dieser Zusammenhang ist keineswegs automatisch: Auch Zinsdifferenzen und die Entscheide der Zentralbanken fallen ins Gewicht. Am 21. Oktober 2026 wies die SNB einen Kurs von 0,9253 Franken für einen Euro und von 0,8245 Franken für einen Dollar aus.

Welche Auswirkungen auf SARON- und Festhypotheken?

Der Leitzins ist nur einer der Faktoren, die den Preis einer Hypothek bestimmen. Am 20. Oktober 2026 lag der SARON, der von der SNB ausgewiesene Referenzzinssatz des Schweizer Geldmarkts, bei −0,05 %, bei einem Leitzins von 0 %. Wie die Banken ihre Margen auf SARON-Hypotheken festlegen, führen unsere Quellen nicht im Detail aus.

Festhypotheken hängen auch von den Kapitalmärkten ab. Im dritten Quartal 2026 haben sie sich verteuert, während die SNB ihren Leitzins bei 0 % beliess. Gemäss den Richtzinsen von Comparis, einem Durchschnitt von rund dreissig Banken, ergaben sich Ende September 2026:

  • 1,75 % für drei Jahre, gegenüber 1,38 % drei Monate zuvor;
  • 1,9 % für fünf Jahre;
  • 2,07 % für zehn Jahre, ein Niveau, das es seit März 2025 nicht mehr gegeben hatte.

Laut einer Meldung von Keystone-SDA schlugen die steigenden Zinsen im Ausland auf den Schweizer Kapitalmarkt durch und verteuerten die Refinanzierung der Banken. Ein Richtzins zeigt eine Tendenz an, nicht den Zinssatz, den ein bestimmter Kreditnehmer erhält.

Was ändert der Leitzins für das Sparen?

Eine allfällige Zinserhöhung der SNB würde sowohl die Kreditkosten als auch die Verzinsung der Ersparnisse betreffen. Die konsultierten Quellen beziffern jedoch keinen Sparzins der Banken, und die Medienmitteilung vom 24. September 2026 sagt nichts zum Sparen.

Die Inflation bleibt für Sparerinnen und Sparer ein nützlicher Anhaltspunkt. Laut der SNB stieg sie von 0,6 % im Mai auf 0,8 % im August 2026, gemessen an der Jahresveränderung des Landesindexes der Konsumentenpreise. Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar.

Wie wirken sich Franken und Zinsen auf die Exporteure aus?

Für ein exportierendes Unternehmen zeigt sich die Wirkung am deutlichsten über den Wechselkurs. Ein erstarkender Franken verringert den in Franken umgerechneten Wert der in Fremdwährungen erzielten Verkäufe, in Euro wie in Dollar.

Der Konzern Givaudan hat dies in den ersten neun Monaten 2026 veranschaulicht. Die Währungseffekte belasteten den Umsatz von 5,89 Milliarden mit 4 %, also 234 Millionen Franken. Sein Wachstum von 5,2 % schrumpfte in Franken ausgedrückt auf 2,6 %.

Die SNB beobachtet auch die Industrie genau. Im September 2026 stellte sie eine unterdurchschnittliche Kapazitätsauslastung fest, vor allem in der verarbeitenden Industrie. Die jüngste Abwertung des Frankens zählte sie zu den Stützen des Wachstums.

Beispiel: der Entscheid vom 24. September 2026

Am 24. September 2026 beliess die SNB ihren Leitzins bei 0 %. Sie stützte sich auf drei Feststellungen: eine seit Juni steigende Inflation, vor allem wegen der Energie; ein mittelfristig kaum stärkerer Inflationsdruck; eine als angemessen beurteilte Geldpolitik. Unser Artikel zur Beibehaltung des Leitzinses bei 0 % geht im Detail auf diese Medienmitteilung ein.

Bemerkenswert: Die Inflation bei den Waren war im August 2026 laut der SNB erstmals seit Mai 2024 positiv. Sie war vor allem auf die Verteuerung der Erdölprodukte zurückzuführen. Die SNB rechnete für 2026 mit einem Wachstum von 1,5 % bis 2 % und für 2027 mit rund 1,5 %, unter grosser Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Nahen Osten.

SNB-Präsident Martin Schlegel fasste den Entscheid im Deutschschweizer Fernsehen zusammen, am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Thailand: Die Teuerung bleibe «im Mittel des Bandes von 2 %», was es erlaube, den Leitzins nicht anzutasten.

Die nächste Lagebeurteilung ist für den 10. Dezember 2026 vorgesehen. Die Ökonomen von Raiffeisen halten eine Erhöhung bereits zu diesem Termin für möglich: Das ist ihre Lesart, ausführlich dargestellt in unserem Artikel zur von der Bank erwarteten Zinserhöhung der SNB. Für den von Keystone-SDA zitierten Finanzexperten Dirk Renkert dürfte es die SNB kurzfristig «nicht besonders eilig haben, die Zinsen zu erhöhen».

Die wichtigsten Zahlen

  • Leitzins der SNB: 0,00 % am 21. Oktober 2026.
  • SARON: −0,05 % am 20. Oktober 2026.
  • Abschlag über dem Schwellenwert der Sichtguthaben: 0,25 Prozentpunkte (September 2026).
  • Jahresinflation: 0,6 % im Mai und 0,8 % im August 2026.
  • Von der SNB prognostizierte Inflation (September 2026): 0,7 % für 2026, 0,8 % für 2027 und für 2028.
  • Festhypothek auf zehn Jahre: 2,07 % Ende September 2026 (Richtzins Comparis).
  • Kurs vom 21. Oktober 2026: 0,9253 Franken für einen Euro, 0,8245 Franken für einen Dollar.
  • Geldpolitische Lagebeurteilungen: vier pro Jahr; die nächste am 10. Dezember 2026.

Was noch offen ist

Mehrere Punkte bleiben offen. Der Entscheid vom 10. Dezember 2026 ist nicht bekannt: Die Prognose von Raiffeisen bindet die SNB nicht. Die konsultierten Quellen zeichnen die Abfolge der seit 2022 gefällten Entscheide nicht nach; nur jener vom September 2026 ist darin beziffert. Sie nennen auch weder die Höhe des Schwellenwerts der Sichtguthaben noch die Art, wie die Banken den SARON auf ihre Hypotheken und Sparkonten übertragen.

Quellen