TVL Capital, ein auf Blockchain-Infrastruktur spezialisiertes Unternehmen aus dem Kanton Zug, wird Partnermitglied des Schweizerischen Verbands für Strukturierte Produkte (Swiss Structured Products Association, SSPA), in der Kategorie Partner Broker. Die SSPA gab dies am Dienstag, 27. Oktober 2026, bekannt, wie das Finanzportal finews.ch berichtet. TVL Capital liefert Banken die Technologie, um ihre strukturierten Produkte auf einer Blockchain zu emittieren.

Es handelt sich um einen Beitritt zum Branchenverband, nicht um eine Produktlancierung. Keine der konsultierten Quellen nennt eine Kundenbank oder ein bereits emittiertes Produkt. Das Thema betrifft dennoch eine konkrete Anwendung der Tokenisierung von Vermögenswerten, die wir in unserem Dossier Blockchain und Tokenisierung verfolgen.

Was TVL Capital Emittenten strukturierter Produkte anbietet

Laut finews.ch entwickelt das Zuger Unternehmen technische Lösungen, mit denen Banken und andere Finanzinstitute ihre strukturierten Produkte tokenisieren. Sein Angebot betrifft Chain-Traded Products (CTP), wörtlich auf einer Blockchain gehandelte Produkte.

Ein CTP bleibt inhaltlich ein klassisches strukturiertes Produkt. Emittent, Auszahlungsprofil und Marktexposure des Anlegers ändern sich nicht. Was sich ändert, ist das Register: Das Produkt wird in Form von Registerwertrechten emittiert, einer Kategorie, die das Schweizer Recht zur Technologie verteilter elektronischer Register (DLT) vorsieht, und auf einer Blockchain-Infrastruktur abgebildet.

Die Konstruktion soll den Emittenten laut finews.ch zusätzliche Vertriebskanäle eröffnen und eine digitale Abwicklung der Geschäfte nach dem Handel vorbereiten. TVL Capital tritt weder als Emittentin noch als Vertreiberin auf: Sie stellt lediglich die Technologie zur Verfügung.

«Emittenten können ihre bestehenden Produkte auf die Blockchain bringen, ohne die Produkte selbst verändern zu müssen», erklärt Penny Tunbridge, Chief Operating Officer (COO) von TVL Capital, gegenüber finews.ch.

Ein Verband, der über 95 Prozent des Schweizer Marktes für sich beansprucht

Mit TVL Capital zählt die SSPA nun 58 Mitglieder. Nach eigenen Angaben vertritt der Verband Unternehmen, die zusammen mehr als 95 Prozent des Volumens des Schweizer Marktes für strukturierte Produkte abdecken. Die konsultierten Quellen beziffern dieses Volumen nicht und nennen die übrigen Mitglieder nicht.

Die rechtliche Grundlage: das DLT-Gesetz und die Registerwertrechte

Die CTP stützen sich auf einen Schweizer Rahmen, der seit 2021 besteht. Das Parlament verabschiedete im September 2020 das Bundesgesetz zur Anpassung des Bundesrechts an Entwicklungen der Technik verteilter elektronischer Register, oft DLT-Gesetz genannt, nach distributed ledger technology. Dieser Erlass ändert mehrere Bundesgesetze gleichzeitig, statt ein eigenes Regime zu schaffen.

Der Bundesrat setzte es laut seiner Medienmitteilung vom 11. Dezember 2020 in zwei Etappen in Kraft. Die Änderungen des Obligationenrechts, des Bucheffektengesetzes und des Bundesgesetzes über das Internationale Privatrecht gelten seit dem 1. Februar 2021. Sie ermöglichen es, Wertrechte auf einer Blockchain einzutragen, wie unsere Seite zum Tokenisieren von Aktien einer AG ausführt.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (FINMA) beurteilt Token nach ihrer wirtschaftlichen Funktion. In ihrer Wegleitung zu Initial Coin Offerings (ICO) vom 16. Februar 2018 behandelt sie einen Anlage-Token, der eine Forderung oder einen Anspruch auf Erträge verkörpert, als Effekte. Die konsultierten Quellen präzisieren nicht, wie die FINMA die CTP im Besonderen einstuft.

Der Handel fügt dem Rahmen eine weitere Ebene hinzu. Eine multilaterale Plattform für DLT-Effekten kann eine Bewilligung als Handelssystem benötigen, die das Finanzmarktinfrastrukturgesetz (FinfraG) in den Artikeln 73a ff. vorsieht. Laut FINMA genügt eine einzige dieser drei Voraussetzungen:

  • Privatkundinnen und Privatkunden als Teilnehmende zulassen;
  • diese Effekten nach gemeinsamen Regeln und Verfahren verwahren;
  • die Geschäfte nach gemeinsamen Regeln und Verfahren abrechnen und abwickeln.

Unser Leitfaden zur Wahl einer Schweizer Tokenisierungsplattform greift diese Kriterien auf.

Wo die Tokenisierung bei den Schweizer Banken steht

TVL Capital betritt einen Markt, auf dem das Angebot noch dünn ist. Der Swiss Blockchain Survey 2026, durchgeführt vom Center for Financial Services Innovation der Universität St. Gallen (HSG), befragte im dritten Quartal 2026 25 Institute aus der Schweiz und Liechtenstein. Ein einzelnes Institut macht dabei 4 Prozentpunkte aus, was zur Vorsicht mahnt.

Indikator (25 Institute, drittes Quartal 2026)Anteil
Bieten bereits tokenisierte Vermögenswerte an12 %
Planen ein Angebot tokenisierter Vermögenswerte24 %
Haben keine Projekte für tokenisierte Vermögenswerte64 %
Sehen die Wertpapierabwicklung auf der Blockchain als Trend in drei bis fünf Jahren40 %
Nennen fehlende strategische Priorität oder fehlendes Geschäftsmodell als Hemmnis63 %
Nennen geringes Kundeninteresse als Hemmnis58 %
Nennen regulatorische oder Compliance-Anforderungen als Hemmnis46 %

Die Wertpapierabwicklung auf der Blockchain als Ersatz bestehender Systeme deckt sich mit dem erklärten Ziel der CTP: einer digitalen Abwicklung nach dem Handel. Die von der Studie erhobenen Hemmnisse sind jedoch vor allem kommerzieller und erst in zweiter Linie regulatorischer Natur.

Strukturierte Produkte gehören bereits zu den Testfeldern der Grossbanken. Gemäss Arbeiten von Blockstories, einem auf digitale Vermögenswerte spezialisierten Research- und Medienunternehmen, die Fintechnews Switzerland zitiert, haben grosse Universalbanken wie die UBS auf die Tokenisierung gesetzt. Sie konzentrierten sich auf tokenisierte Anleihen, strukturierte Produkte und Geldmarktfonds.

Was sich für Anlegerinnen und Anleger in der Schweiz ändert

Für die Käuferin oder den Käufer eines strukturierten Produkts betrifft die angekündigte Änderung die Infrastruktur, nicht das Produkt. Der Emittent bleibt laut finews.ch derselbe. Der Token hebt diese Abhängigkeit also nicht auf: Wer einen tokenisierten Vermögenswert hält, ist von dessen Emittenten, von der Stelle, die den Vermögenswert verwahrt, und vom Netzwerk abhängig, wie unsere Referenzseite zur Tokenisierung festhält.

Das rechtliche Modell unterscheidet sich von gewissen ausländischen Angeboten. Bei Coinbase, der amerikanischen Kryptowährungsbörse, verkörpert jeder Aktien-Token ein Zertifikat, das von einer eigens dafür geschaffenen Struktur ausgegeben wird, und Dividenden werden nach Abzug von Gebühren reinvestiert. Die von finews.ch beschriebenen CTP werden hingegen direkt als Registerwertrechte nach Schweizer Recht emittiert.

Den Status eines Anbieters prüft man auf der Website der FINMA, in den Rubriken «Bewilligte Institute» und «Warnliste». Diese Informationen beschreiben eine Entwicklung der Schweizer Blockchain und stellen keine Anlageempfehlung dar.

Was noch nicht bekannt ist

  • Welche Banken oder Emittenten die Technologie von TVL Capital nutzen werden: Es wird kein Name genannt.
  • Auf welcher Blockchain die CTP eingetragen sind und ob bereits welche emittiert wurden, in welcher Anzahl und in welchem Umfang.
  • Was die Kategorie Partner Broker innerhalb der SSPA konkret umfasst.
  • Das Gesamtvolumen des Schweizer Marktes für strukturierte Produkte, von dem die SSPA nach eigenen Angaben mehr als 95 Prozent abdeckt.
  • Ob die CTP Privatkundinnen und Privatkunden offenstehen werden und auf welcher Plattform sie gehandelt werden könnten.

Quellen